Ein Indoor-Padel-Club kann eine attraktive operative Marge erreichen, weil wenige Courts viele wiederkehrende, digital buchbare Stunden verkaufen. Gleichzeitig ist das Modell fixkostenintensiv: Miete, Personal und Betrieb laufen auch dann weiter, wenn Court-Stunden leer bleiben. Profitabilität ist deshalb vor allem eine Frage auslastbarer Stunden – nicht der reinen Quadratmeterzahl.
Die kurze Antwort: profitabel ja – automatisch nein.
Im Neuötting-Modell reicht die Spanne von 25 % bis 45 % Auslastung. Daraus entstehen modellierte Jahresumsätze zwischen 352.200 € und 624.360 €. Der Unterschied im EBITDA ist noch größer: 131.853 € im Downside-, 262.966 € im Basis- und 394.079 € im Upside-Szenario. Das zeigt den operativen Hebel – und das Risiko einer zu optimistischen Nachfrageannahme.
Jede zusätzlich verkaufte Court-Stunde trifft nach den variablen Kosten auf einen weitgehend fixen Kostenblock.
Umsatz beginnt mit der Court-Hour-Engine.
Die Basismultiplikation ist einfach: Courts × Öffnungsstunden × Betriebstage × Auslastung × Preis. Im Neuötting-Modell arbeiten fünf Courts mit 18 Öffnungsstunden pro Tag, 30 Tagen pro Monat und 42 € je Stunde. Aus dieser Kapazität wird erst dann Umsatz, wenn Nachfrage zeitlich passend aktiviert wird. Eine volle Prime Time kann schwache Vormittage nicht vollständig ausgleichen.
- 01Court-Buchung
Dynamische Peak-/Off-Peak-Preise und planbare Abos.
- 02Coaching
Einsteigerkurse, Academy und individuelle Trainings.
- 03Events & Ligen
Wiederkehrende Formate erhöhen Frequenz und Bindung.
- 04Hospitality
Getränke, Shop und Aufenthaltsqualität erhöhen den Warenkorb.
Die Kostenstruktur entscheidet, wie viel Umsatz übrig bleibt.
Court-Anschaffung und Ausbau bestimmen den anfänglichen Kapitalbedarf. Danach dominieren Miete, Personal, Energie, Reinigung, Software, Versicherung, Instandhaltung und Marketing. Neuötting kalkuliert mit 429.302 € Kapitalbedarf, fünf Courts, 1.390 m², 3.475 € Monatsmiete und 17.291 € fixen monatlichen Betriebskosten. Diese Projektwerte sind keine allgemeinen Branchenbenchmarks.
Eine günstige Halle ist nur dann günstig, wenn Geometrie, Höhe, Brandschutz, Parken und Ausbaukosten funktionieren. Niedrige Miete kann durch hohe Umrüstungskosten oder eine schlechte Court-Anordnung schnell neutralisiert werden.
Drei Szenarien zeigen die Bandbreite.
Was „Payback unter zwei Jahren“ tatsächlich bedeutet.
Im Upside-Szenario erreicht der modellierte kumulierte Kapitalrückfluss Monat 21. Das ist die ambitionierte Oberseite des Modells, keine Zusage. Im Basis-Szenario liegt derselbe Punkt in Monat 29, im Downside-Szenario in Monat 52. Ein einzelner Payback-Wert ohne die zugrunde liegende Auslastung ist deshalb wenig aussagekräftig.
Für Anleger entsteht daraus nicht automatisch eine Auszahlung in gleicher Höhe. MorePadel plant quartalsweise Ausschüttungen nur, wenn ausschüttbarer Gewinn vorhanden ist und die Gesellschaft nach Steuern, Kosten, Liquidität und notwendigen Rücklagen tatsächlich ausschütten kann. Maßgeblich sind ausschließlich die finalen Vertragsunterlagen.
Den Zahlungsweg selbst rechnen
Der Rendite-Rechner zeigt das Neuötting-Upside-Szenario für Beträge ab 5.000 € – transparent als Modell, nicht als Prognose.
Auslastung ist die zentrale Sensitivität.
Eine 2026 veröffentlichte Masterarbeit zur Wirtschaftlichkeit neuer Indoor-Courts in Hamburg modelliert rund 5,4 belegte Stunden je Court und Tag als notwendige Schwelle zur Deckung der Betriebskosten im dortigen realistischen Szenario. Das ist kein universeller deutscher Break-even, bestätigt aber die Richtung: Schon kleine Änderungen in zeitlich realisierbarer Auslastung können das Ergebnis stark verschieben.
Professioneller Betrieb setzt deshalb vor Eröffnung an: Nachfrage im Einzugsgebiet validieren, Prime-Time-Preise testen, Einsteiger systematisch aktivieren, Ligen und Events früh planen und Off-Peak-Zielgruppen aufbauen.
Die Zahl ist nur so gut wie ihre Annahmen.
Baukosten, Eröffnungstermin, Nachfrage, Preis, Personal, Energie, Reparaturen und Wettbewerb können vom Modell abweichen. Unternehmensbeteiligungen sind illiquide und können zum Totalverlust führen. Historische oder modellierte Werte sind keine verlässliche Aussage über künftige Ergebnisse.
Die wirtschaftlich gute Frage lautet daher nicht: „Wie hoch ist der ROI eines Padel-Clubs?“ Sie lautet: „Welche Auslastung muss dieser konkrete Club zu welchen Preisen erreichen, um nach allen Kosten und Rücklagen ausschüttbaren Gewinn zu erwirtschaften?“
